Paraphenomena

Künstliches Leben

Der Traum künstliches Leben zu erschaffen ist deutlich älter als der Roman "Frankenstein". Diese zufällig in Ingolstadt spielende Geschichte hat sich vermutlich von früheren Geheimlehren inspirieren lassen und das unterhaltsam aufbereitet. Ein aus Leichenteilen erschaffenes Monster, dem unter der Mitwirkung von Blitzenergie Leben eingehaucht wurde. Muss damals mächtig utopisch gewesen sein, die Vorstellung. Utopischer jedenfalls als heutzutage.

Wir leben in eine Zeit, in der Schafe geklont werden, Leben im Reagenzglas entstehen kann und albere Ethikkommissionen den Bürgern wissenschaftlich-medizinische Moral eintrichtern, bevor diese merken, wie ihnen geschieht und über welche Möglichkeiten der Mensch selbst heutzutage schon verfügt. Da wird doch glatt mal stellvertretend und bevormundend geurteilt, was freie Bürger zu tun und zu unterlassen haben. Wenn nicht solche Bremser unsere Gesellschaft an ihrer natürlichen Entwicklung hindern würden, könnte man fast meinen, der (hypothetisch angenommene) Geheimbund von Dr. Frankenstein hätte heimlich die Weltherrschaft erlangt. Vielleicht hat er das ja auch, und mit Ethikkommissionen, die sich herausnehmen über die Verwendung von Gentechnologie zu entscheiden, soll nur abgelenkt werden bzw. der normale Bürger in seine Schranken gewiesen. Aber vielleicht sollte man so etwas als Instanz ebenso wenig ernst nehmen wie die kirchliche Inquisition und andere Moralistenauswüchse.
Entscheidend ist, dass die Technik es ermöglicht, künstliches Leben zu designen und in die Welt zu setzen. Wenn man die Idee weiter träumt, könnte man sich einen Traumpartner erschaffen. Ganz nach eigenem Geschmack. Aussehen, Charaktereigenschaften und Veranlagungen, alles in einem gewissen Rahmen vorprogrammiert. Und wenn man schon dabei ist, vielleicht noch einen Epsilon-Minus als Haushaltshilfe oder Liftboy.
Zu recht könnte man da jetzt aber auch mit der Moralkeule schwingen. Denn egal wie erzeugt, vermutlich sind das wirkliche, gleichberechtigte Menschen. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen muss man nicht Bladerunner gesehen haben. Und eine dumme E-Tick-Kommision braucht man dazu gleich dreimal nicht. Vielleicht wird es dann wohl nicht direkt etwas mit frisch aus dem Labor bestellbaren Putzhilfen und Kuschelsklaven. Aber vielleicht kann man sie trotzdem irgendwie in die Welt setzen, ausgestattet mit jenen Genen und Eigenschaften, die eher selten vorkommen. Ein gesteuertes Fürsorge-Gen um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken. Ein Bindungsgen um künstlich erzeugten Männern die Angst um ihre Privatsphäre zu nehmen. Und vielleicht ein Liebeshungrig-Gen für Mrs. Frankenstein, damit selbst der Hässlichste und Dümmste sie herumkriegt. Das dürfte schon konformer mit gängigen Moralvorstellungen sein als sich persönliche, künstlich erschaffene Sklaven zu halten. Auch wenn der Gedanke an die Sklavenhaltung schon ein gewisses Prickeln erzeugt. Aber nein, was nicht geht, das geht halt nicht.

25.5.11 19:53

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